Das Theaterdach der Schünemannschen Mühle war bis auf den allerletzten Platz gefüllt. Etwa 70 Menschen waren gekommen, um den Vortrag von Niko Paech zu hören. Der renommierte Experte auf dem Gebiet der Postwachstumsökonomie war auf Einladung der GRÜNEN Ratsfraktion zu Gast in der Lessingstadt – als Aufklärer für eine Wirtschaft ohne Wachstum.
Paechs Blick auf die Welt und unser Wirtschaften ist radikal vernünftig. Er macht unmissverständlich klar, dass die Grenzen des Wachstums längst überschritten sind, wir aber bis heute immer neue Wachstumsrekorde realisieren. Um das 1,5 Grad Ziel zu halten, darf jeder Mensch auf dem Globus aber nicht mehr als 1 Tonne Treibhausgas im Jahr erzeugen. In Deutschland lag der Ausstoß von Treibhausgasen 2021 bei etwa 11 Tonnen pro Person. Das ist ökologisch ruinös und global ungerecht. Paechs Antwort ist eine Wirtschaft ohne Wachstum.
Sein Konzept der Postwachstumsökonomie zielt darauf ab, unseren Wohlstand auf einem maßvollen Niveau zu stabilisieren, soziale Gerechtigkeit und die Gemeinschaft zu fördern sowie Umweltauswirkungen zu minimieren. Im Rahmen seines Vortrags erläuterte Niko Paech sehr anschaulich zahlreiche konkrete Maßnahmen, um die notwendige Transformation in eine Postwachstumsökonomie zu vollziehen.
So schlägt der Ökonom beispielsweise eine Reduzierung der Arbeitszeit auf durchschnittlich 20 Stunden vor und parallel dazu den Ausbau von Strukturen zur Befriedigung grundlegender Bedürfnisse (Subsistenz). In städtischen Umgebungen können Menschen in begrenztem Umfang ihre Subsistenz zum Beispiel durch Stadtgärtnerei, Selbstversorgung und den Tausch von Dienstleistungen sicherstellen.
Am Ende des Abends stand die Frage nach der Umsetzbarkeit einer solchen Wirtschaftsordnung, wenn dafür noch keine demokratischen Mehrheiten vorhanden sind. Niko Paech plädierte dafür, „dezentrale Widerstandsnester“ für nachhaltiges Wirtschaften zu gründen und damit Gemeinschaften ins Leben zu rufen, die sich bereits heute auf den Weg machen in die die Postwachstumsökonomie – ziemlich vernünftig! Nicht nur dafür gab es am Schluss sehr viel Applaus.





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